Der Stellenwert und die Bedeutung von Asanas im Yoga Teil 2
Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelserie über die Bedeutung der Asanas im traditionellen Yoga.
Hier geht es zur Übersicht:
Bei Patanjali finden wir drei Sutras zum Thema Asanas
Der Stellenwert der Asanas im Yoga Sutra
Im Yoga Sutra des Patanjali finden sich lediglich drei kurze Aussagen über Asanas. Diese drei Sutras sind jedoch grundlegend für das Verständnis der Yogapraxis.
Es handelt sich um die folgenden Verse:
PYS II.46
Sthira sukham asanam
= Die Haltung soll stabil und angenehm sein.
PYS II.47
Prayatna-śaithilya ananta-samāpattibhyām
= Durch das Nachlassen der Anstrengung und die Versenkung in das Unendliche wird die Haltung vollkommen.
PYS II.48
Tato dvandva-anabhighātaḥ
= Dann wird man von den Gegensatzpaaren nicht mehr berührt.
Diese wenigen Aussagen zeigen, dass Patanjali Asana nicht als gymnastische Übung beschreibt, sondern als meditative Sitzhaltung.
PYS II.46 – Sthira Sukham Asanam
Die beiden Begriffe sthira und sukha beschreiben zwei zentrale Eigenschaften der Yogahaltung.
Sthira bedeutet
Stabilität, Festigkeit, Ruhe.
Sukha bedeutet
Angenehmheit, Leichtigkeit und einen inneren Zustand des Wohlbefindens.
Nach Auffassung von Dr. Gharote beantworten diese beiden Begriffe bereits viele Fragen zur Praxis der Asanas.
Im Allgemeinen wird die Praxis von Asanas heute oft als körperliche Übung verstanden. In den Yogasutras wird jedoch deutlich, dass es um mehr geht als um körperliche Bewegung.
Sthira bezeichnet eine stabile körperliche Haltung, während sukha auch einen mentalen Zustand beschreibt. Damit wird der Zusammenhang von Körper und Geist deutlich. Die Praxis der Asanas wirkt vom Körper auf die Psyche.
Eine stabile und angenehme Sitzhaltung wirkt beruhigend auf den Geist. Die Aufmerksamkeit kann sich sammeln, der Atem wird ruhiger und die Konzentration vertieft sich.
In diesem Sinne erfüllen Asanas eine wichtige Funktion für das eigentliche Ziel des Yoga: die Meditation und Selbsterkenntnis.
Die Bedeutung der Sitzhaltung
Viele yogische Übungen werden traditionell im Sitzen ausgeführt. Dazu gehören beispielsweise
-
Atemübungen (Pranayama)
-
Reinigungstechniken (Kriyas)
-
bestimmte Gesten (Mudras)
Auch für diese Praktiken ist es vorteilhaft, über längere Zeit stabil und angenehm sitzen zu können.
PYS II.47 – Mühelosigkeit der Haltung
Das zweite Sutra beschreibt ein weiteres wichtiges Prinzip der Asanapraxis.
Prayatna-śaithilya bedeutet das Nachlassen der Anstrengung.
Eine Yogahaltung soll daher möglichst mühelos ausgeführt werden. Das Asana wird stabil eingenommen, gleichzeitig wird unnötige Anspannung losgelassen.
Die Haltung wird dadurch leicht, ruhig und entspannt.
PYS II.48 – Freiheit von Gegensätzen
Das dritte Sutra beschreibt die Wirkung der Asanapraxis.
Durch eine stabile und entspannte Haltung entsteht eine gewisse Unabhängigkeit von den sogenannten Gegensatzpaaren.
Dazu gehören beispielsweise:
-
Hitze und Kälte
-
Freude und Schmerz
-
Anstrengung und Ermüdung
Der Übende wird weniger von äußeren Umständen beeinflusst und gewinnt innere Ruhe und Stabilität.
Fazit
Die Aussagen Patanjalis über Asana sind kurz, aber sehr prägnant.
Asana bedeutet hier vor allem eine stabile und angenehme Sitzhaltung, die mit möglichst geringer Anstrengung ausgeführt wird. Diese Haltung schafft die Voraussetzungen für die weitere Yogapraxis und insbesondere für die Meditation.
👉 Lesen Sie weiter in Teil 3:
Asanas in den Hatha-Yoga-Texten
Hans Deutzmann
Artikelserie: Die Bedeutung der Asanas im Yoga