Der Stellenwert und die Bedeutung von Asanas im Yoga Teil 3
Asanas in der Hatha-Yoga-Pradipika
Teil 3 der Serie über die Bedeutung der Asanas im traditionellen Yoga
Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelserie über die Bedeutung der Asanas im traditionellen Yoga.
Hier geht es zur Übersicht:
In den klassischen Texten des Hatha Yoga nimmt die Praxis der Asanas bereits einen deutlich größeren Raum ein als im Yoga Sutra des Patanjali.
In der Hatha-Yoga-Pradipika heißt es:
„Die erste Disziplin im Hatha-Yoga ist die Praxis von Asana. Sie reinigt den Körper und führt zu Gesundheit, Ruhe und Festigkeit.“
(HYP I,20)
Die Hatha-Yoga-Pradipika beschreibt anschließend 15 Asanas ausführlicher. Gleichzeitig wird erwähnt, dass es ursprünglich 84 Asanas gebe (HYP I,35).
In anderen Texten wird diese Zahl sogar symbolisch erweitert. In der Goraksasatakam ist von 84 000 Asanas die Rede – eine symbolische Zahl, die auf die große Vielfalt möglicher Haltungen hinweisen soll.
„Es gibt so viele Asanas wie Tierarten. Der Ehrwürdige kennt alle Varianten. Von den 84 000 wurde jeweils eine ausgewählt, die die anderen repräsentiert.“
(Goraksasatakam 5 – Tomalla 1986)
Die 15 Asanas der Hatha-Yoga-Pradipika
Die Hatha-Yoga-Pradipika beschreibt folgende 15 Asanas (HYP I,20-56):
Swastikasana – heilbringende Stellung
Gomukhasana – Kuhkopfstellung
Virasana – Heldenstellung
Kurmasana – Schildkrötenstellung
Kukkutasana – Hahnstellung
Uttana-Kurmasana – gestreckte Schildkrötenstellung
Dhanurasana – Bogenstellung
Für einige dieser Asanas werden keine besonderen Wirkungen angegeben.
Für andere Haltungen werden dagegen spezifische Wirkungen beschrieben.
Matsyendrasana – Drehsitz
regt das Verdauungsfeuer an, besiegt Krankheiten, erweckt Kundalini und stabilisiert Bindu.
Paschimottanasana – Vorwärtsbeuge
lässt Prana durch die Sushumna fließen, stärkt das Verdauungsfeuer und fördert die Gesundheit.
Mayurasana – Pfauenstellung
soll Magen- und Milzerkrankungen beseitigen und das Verdauungsfeuer stärken.
Savasana – Totenstellung
beseitigt Erschöpfung und beruhigt den Geist.
Siddhasana – Stellung des Meisters
gilt als besonders wichtiges Asana. Es soll die Nadis reinigen und zur Vollkommenheit führen.
Padmasana – Lotusstellung
soll Krankheiten vertreiben und bei fortgeschrittener Praxis zur Erweckung der Kundalini beitragen.
Simhasana – Löwenstellung
unterstützt die Praxis der Bandhas.
Bhadrasana – glückbringende Stellung
soll Krankheiten beseitigen.
Die Bedeutung der Sitzhaltungen
Die Hatha-Yoga-Pradipika hebt besonders die Bedeutung der Sitzhaltungen hervor.
Als wichtigste Asanas gelten vier meditative Sitzhaltungen:
-
Siddhasana
-
Padmasana
-
Simhasana
-
Bhadrasana
Dabei wird Siddhasana als besonders bedeutend angesehen.
Der Text geht sogar so weit zu sagen, dass das Beherrschen dieser einen Haltung ausreichen könne und andere Asanas dann nicht mehr unbedingt erforderlich seien.
Eine Voraussetzung dafür ist jedoch die vollkommene Mühelosigkeit der Haltung. Erst wenn diese erreicht ist, kann der Übende zu weiteren Praktiken übergehen, insbesondere zum Pranayama.
Asanas in der Gheranda Samhita
Auch in der Gheranda Samhita wird die Praxis der Asanas beschrieben.
Hier wird ein sechsgliedriger Yogapfad dargestellt.
Die Reihenfolge lautet:
-
Reinigungstechniken (Dhauti)
-
Asanas (32 Haltungen)
-
Mudras
-
Pranayama
-
Meditation (Dhyana)
-
Samadhi
Der Text beschreibt die Wirkungen der einzelnen Stufen folgendermaßen:
Asana schenkt Kraft.
Mudra gibt Festigkeit.
Pratyahara bringt Standhaftigkeit und innere Ruhe.
Pranayama bringt Klarheit.
Dhyana schenkt Erkenntnis des Selbst.
Samadhi führt zur Befreiung.
Als wichtige meditative Sitzhaltungen werden unter anderem genannt:
-
Sukhasana
-
Siddhasana
-
Svastikasana
-
Vajrasana
-
Ardha-Padmasana
-
Padmasana
Fazit
Während Patanjali Asana vor allem als meditative Sitzhaltung beschreibt, erweitert der Hatha-Yoga die Praxis deutlich.
Die Texte des Hatha-Yoga zeigen bereits eine größere Vielfalt an Körperhaltungen. Dennoch behalten die meditativen Sitzhaltungen weiterhin eine zentrale Bedeutung.
Sie bilden die Grundlage für weiterführende Yogapraktiken wie Pranayama und Meditation.
👉 Lesen Sie weiter in Teil 4:
Die Entwicklung der Asanapraxis im modernen Yoga
Artikelserie: Die Bedeutung der Asanas im Yoga