Asanas im Tripada Yoga
Bedeutung, Praxis und Wirkungen der Yogaübungen
Ein Beitrag von Hans Deutzmann
Die Praxis der Asanas, also der Yogaübungen, bildet die Grundlage vieler Yogasysteme. Auch im Tripada Yoga spielen sie eine zentrale Rolle, weil sie den Körper auf Atemübungen, Entspannung und Meditation vorbereiten.
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Ursprünglich bezeichnete das Wort Asana lediglich das Sitzen oder eine Sitzhaltung. Das Sanskritwort „as“ bedeutet „sitzen“. Gemeint war zunächst die meditative Sitzhaltung, die für längere Meditation stabil und angenehm sein sollte.
Im achtgliedrigen Yogapfad des Patanjali steht Asana nach den ethischen Grundlagen Yama und Niyama an dritter Stelle. Die Körperübungen sollten ursprünglich die Fähigkeit fördern, über längere Zeit ruhig und entspannt zu sitzen.
Die Entwicklung der Asanas
Stundenlanges Sitzen in einer meditativen Haltung ist nicht einfach. Schmerzen oder Verspannungen können die Konzentration stören. Deshalb begann man, den Körper durch gezielte Übungen vorzubereiten.
Dabei wurden insbesondere
- Dehnungen der Muskulatur
- Bewegungen der Wirbelsäule
- und verschiedene Körperhaltungen
entwickelt.
Im Laufe der Zeit entstanden zahlreiche Asanas. Während klassische Yogaschriften nur wenige Haltungen erwähnen, finden sich in modernen Yogaschulen deutlich mehr.
So beschreiben beispielsweise:
- die Hatha Yoga Pradipika etwa 15 Asanas
- die Gheranda Samhita etwa 32
- die Shiva Samhita etwa 84.
In modernen Yogalehrbüchern finden sich teilweise mehrere hundert Varianten.
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Formen der Asanas
Die Yogaforschung unterscheidet verschiedene Arten von Asanas.
Meditative Asanas
Meditative Asanas sind vor allem Sitzhaltungen. Sie ermöglichen eine stabile, aufrechte und gleichzeitig entspannte Körperhaltung für längere Meditation.
Körperpflegende Asanas
Diese Asanas dienen vor allem der Beweglichkeit und Kräftigung des Körpers. Sie werden in unterschiedlichen Positionen ausgeführt, etwa
- im Liegen
- im Sitzen
- im Stehen
- im Vierfüßlerstand.
Sie umfassen Bewegungen der Wirbelsäule wie
- Vorbeugen
- Rückbeugen
- Seitbeugen
- Drehungen.
Auch Gleichgewichtsübungen und Umkehrhaltungen gehören dazu.
Entspannende Asanas
Entspannungsasanas werden meist im Liegen ausgeführt. Sie dienen der Erholung zwischen anstrengenderen Übungen oder am Ende einer Yogastunde.
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Grundprinzipien der Asana-Praxis
Ein grundlegendes Prinzip der Yogapraxis beschreibt Patanjali im Yogasutra:
„Sthira Sukham Asanam“
Die Haltung soll stabil und angenehm sein.
Das bedeutet:
- Stabilität und Festigkeit des Körpers
- gleichzeitig Gelöstheit und Leichtigkeit.
Die Praxis der Asanas soll nicht durch Leistungsdenken bestimmt sein. Entscheidend ist vielmehr eine achtsame und bewusste Ausführung.
Bei korrekt ausgeführten Übungen treten
- keine Schmerzen
- keine übermäßige Anstrengung
auf.
Der Atem bleibt ruhig und gleichmäßig, während die Aufmerksamkeit auf den Körper und die Empfindungen gerichtet ist.
Methodik der Asana-Praxis
Asanas werden in der Regel langsam und kontrolliert ausgeführt.
Der Ablauf besteht aus drei Phasen:
- Die Haltung wird langsam eingenommen.
- Die Position wird für eine gewisse Zeit gehalten.
- Die Haltung wird ruhig wieder verlassen.
Die statische Dehnung während des Verweilens in der Haltung ist ein wesentlicher Bestandteil der Praxis. Dabei wird versucht, unnötige Muskelspannung zu lösen.
Die Atmung bleibt während der gesamten Übung ruhig und gleichmäßig.
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Individuelle Anpassung der Übungen
Die Auswahl der Übungen sollte immer an die individuellen Voraussetzungen angepasst werden.
Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle:
- Alter
- körperliche Verfassung
- Beweglichkeit
- gesundheitliche Situation.
Viele klassische Yogahaltungen sind für Anfänger zunächst schwer auszuführen. Deshalb werden häufig vereinfachte Varianten oder vorbereitende Übungen angeboten.
Dieses Prinzip des schrittweisen Fortschreitens gehört zu den grundlegenden methodischen Prinzipien des Yoga.
Psychophysische Wirkungen der Asanas
Asanas wirken nicht nur auf den Körper, sondern auch auf das psychische Erleben.
Viele Haltungen tragen Namen von
- Tieren
- Pflanzen
- Gegenständen
- oder mythologischen Figuren.
Durch das Einnehmen verschiedener Körperhaltungen verändert sich auch das innere Erleben.
Ein Beispiel:
- Eine zusammengesunkene Haltung kann Gefühle von Trauer verstärken.
- Eine aufrechte Haltung kann Energie und Selbstvertrauen fördern.
Diese Wechselwirkung zwischen Körperhaltung und emotionalem Erleben ist ein zentrales Element der psychosomatischen Wirkung der Yogapraxis.
Haltung und inneres Erleben
Bereits frühe psychologische Untersuchungen haben den Zusammenhang zwischen Körperhaltung und emotionalem Erleben beschrieben.
Die bewusste Veränderung von Körperhaltungen kann deshalb auch das subjektive Erleben beeinflussen.
Yoga nutzt diesen Zusammenhang systematisch. Durch unterschiedliche Haltungen werden neue körperliche und emotionale Erfahrungen ermöglicht.
Ziel ist eine Balance zwischen
- Stabilität
- und Gelöstheit.
Dieses Gleichgewicht beschreibt auch das Konzept der Eutonie, also einer harmonischen muskulären Grundspannung.
Fazit
Die Praxis der Asanas bildet eine zentrale Grundlage der Yogapraxis.
Sie wirkt auf verschiedene Ebenen:
- Körperhaltung und Beweglichkeit
- Muskelspannung
- Körperwahrnehmung
- Atem
- psychisches Erleben.
Durch eine achtsame und angepasste Praxis können Asanas dazu beitragen, körperliche und psychische Balance zu fördern.




