von Hans Deutzmann | Mai 31, 2015 | Asanas und Vinyasas
G.S. Mukerji und W. Spiegelhoff – Yoga und unsere Medizin (1971, S.15-19, Erstauflage 1963)

Dr. med. Werner Spiegelhoff (1912-2006) war Pionier und maßgeblicher Initiator des Yoga in Deutschland, insbesondere in Nordrhein-Westfalen . Als junger Arzt an der Kölner Uni-Klinik lernte er seinen indischen Kollegen Dr. G. S. Mukerji, ein Arzt und Yogalehrer aus Indien kennen.Bei den gemeinsamen Visiten empfahl Dr. Mukerji häufig auch Therapien, die bei uns in Deutschland unbekannt waren und dem indischen Yoga entstammten. Die Erfolge waren gut, so dass Dr. Spiegelhoff sich immer stärker dafür interessierte. Er ließ sich im Yoga ausbilden, praktizierte selbst und unterrichtete dann seine Fachkollegen und seine Patienten.Er gründete die „Yogagruppe Hilden“.

In diesem seit fast 50 Jahren selten gebliebenen Klassiker wissenschaftlicher Yogaliteratur – die es in Deutschland so gut wie nicht gibt -finden sich sehr detaillierte Angaben über die Ausführung von Asanas. In der Literaturliste wird auch das Buch „Asanas“ von Swami Kuvalayananda erwähnt.
Die Ausgangsposition der Praxis ist laut den Autoren immer Shavasana.Auch wird nach jeder Übung Shavasana wieder eingenommen, da dem System ein Wechsel von Anspannung und Entspannung zu Grunde liege.
In Shavasana wird eine vollkommene Entspannung der Muskeln und Gelenke erreicht bis man den Körper nicht mehr empfindet und verbunden mit einem Gefühl der seelischen Ausgeglichenheit. Dann begibt man sich in ein Asana.
Danach folgt wieder Shavasana.
Dieses soll mindestens genauso lang eingehalten werden wie die vorherige Übung: Die Entspannung nach der Haltung bewirkt ein wohliges Körpergefühl, das möglichst lange auszukosten ist.
Es wird auf ältere Bücher hingewiesen, wonach jede Übung bis zu 30 Minuten eingehalten werden soll. Die Erfahrung lehre aber, dass zu Beginn nur etwa 10 Sekunden in der Haltung verweilt werden soll. Dies könne bei völliger Beherrschung bis 2 Minuten ausgedehnt werden.
Hierzu könnten die Sekunden oder die Atemzüge gezählt werden. Die Atmung soll gleichmäßig und locker sein. Alle symmetrischen Übungen sollen 3 Mal wiederholt werden, bei asymmetrischen Übungen solle 2- 6 Mal jede Seite geübt werden. Nach jeder Wiederholung soll wiederum Shavasana geübt werden. Die Reihenfolge der Übungen soll so gewählt werden, dass, dass immer einander entgegengesetzte Körperteile und Muskeln beansprucht werden.
Nach einer Anspannung soll eine Dehnung folgen. Einen Tag in der Woche soll man pausieren. Man soll die Übungen auswählen, die einem zusagen. Schmerzen sollen strikt vermieden werden. Ein gesunder Mensch solle mit 2 Haltungen am Tag beginnen. Fortschritte würden sich zeigen, wenn der Atem gleichmässig und locker ausgeführt werde. Man solle nicht mehr als 5 Übungen hintereinander machen.
Diese Anleitungen unterscheiden sich erheblich von denen bei Gharote und Gune. HIer wird besonders ein Wechsel von Anspannung und Entspannung betont und ein Wechsel von Dehnung und Anspannung. Zwischen den Haltungen soll aber auch immer entspannt werden.
von Hans Deutzmann | Mai 17, 2015 | Tripada Methode
Yoga hat in den letzten 15 Jahren einen wahren Boom erlebt. Seit den 50-iger Jahren des 20. Jahrhunderts hatte diese aus Indien importierte Übungsform ein stetes und kontinuierliches Wachstum an Anhängern in der Bundesrepublik zu verzeichnen. Bei den Volkshochschulen und anderen Trägern der Erwachsenenbildung avancierte Yoga zum dauerhaft beliebtesten Angebot der Gesundheitsbildung. Geschuldet war dieser Erfolg auch einer starken Säkularisierung des Yoga und einer Konzentration auf die körperorientierten und gesundheitsfördernden Methoden. Damit einher ging eine Abkehr der Yogakonzepte von Religion oder Esoterik. Man konzentrierte sich auf die präzise Ausgestaltung der Übungspraktiken. Prominente Musiker und Schauspieler waren über die Medien an der rasanten Ausbreitung des Yoga im Westen beteiligt. Indra Devi, eine bekannte amerikanische Schauspielerin, hat mit dem Bestseller „Durch Yoga jugendfrisch“ in den 50iger Jahren diesen Trend vorgegeben. Die Popularität von Yoga bei Prominenten, Stars und Sternchen und eine durchweg positive Kommentierung in den Medien dürfte zur Popularisierung beigetragen haben.
Nach 5 Jahrzehnten des steten Wachstums kam es etwa seit der Jahrtausendwende sogar zu einem geradezu sprunghaften Anstieg, zu einer regelrechten „Yogaexplosion“ in den USA, Deutschland und anderen westlichen Ländern. In diesem Boom kam es zu Akzentverschiebungen: gerade in Deutschland: einerseits erlebte die Yogawelt eine Aufleben religiöser Yogarichtungen (vertreten besonders durch den Sivananda Yoga, speziell „Yoga Vidya“, der die hinduistische Lehre des Advaita -Vedanta verbreitet und parallel ein großes Ausbildungscenter betreibt) und einer Popularisierung von sehr leistungsorientierten fast reinen Körper- Übungsstilen wie Ashtanga Yoga und Power Yoga andererseits. Beide Entwicklungen wurde begleitet von einer intensiven Kommerzialisierung, in der die klassischen Heilsversprechen des Yoga werbewirksam der Vermarktung zugeführt wurden und werden. Damit vollzog die Bundesrepublik jedenfalls teilweise eine US- amerikanische Entwicklung nach, wo Yoga zum Lifestyleprodukt avanciert ist.
In den letzten 10 – 15 Jahren entstanden in vielen deutschen Städten dem Boom folgend zahllose Yogastudios. Da der Beruf des Yogalehrers nicht geschützt ist, fluten Ausbildungen aller Art seither einen sich selbst überlassenen ungeregelten Markt. Große Institute gerade des esoterischen – und Sportyoga werfen kohortenweise Yogalehrer aus, die oft im Schnellverfahren “ von 10 Tagen, 4 Wochen oder 6 Monaten ausgebildet werden.. Gerade die Anbieter mit solch kurzen Ausbildungszyklen fluten mit einer kurzen Reproduktionsrate den Markt und bieten sportlich- artistische Übungsformen an. Ebenso wie beim religiös orientierten Yoga breitete sich diese Varianten des Yoga auf Grund der kurzen Ausbildungen sprunghaft aus. Yoga etablierte sich nun wie eine neue Sportart auch in Fitnessstudios.
Aanalog zu den üblichen Fitnessmoden der Saison werden heute ständig neue Yogamoden auf den Markt geworfen.
Diese Entwicklung hat auch ihre Schattenseiten und bleibt nicht ohne Schaden für das Berufsbild des Yogalehrenden. Immer öfter treffen kurz und schlecht ausgebildete Yogalehrende in wenig homogenen und diskontinuierlichen Gruppen auf ehrgeizige Schüler. Sie verkennen die individuellen Vorraussetzungen der Teilnehmer und sind unfähig, eine angemessene Belastungsdosierung durch eine teilnehmerorientierte Übungsauswahl anzubieten. Die Verletzungsrisiken steigen auf Grund unangepasster Übungsangebote, wie William S. Broad in seinem Buch „Yoga und Wissenschaft“ anschaulich dargelegt hat.
Die Faszination artistischer Körperbeherrschung trägt zu diesem Hype bei, ungeachtet der Tatsache, das die Gefahr kurz- und langfristiger Gesundheitsschäden steigt.
Mit der Wiederaufnahme der Gesundheitsförderung in den Aufgabenkatalog der gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2000 schaffte es Hatha-Yoga noch kurz vor diesem Boom in den Kanon der anerkannten Interventionsmethoden gegen die zunehmende Verbreitung der chronisch degenerativen Erkrankungen.
Da in den 90iger Jahren die Gesundheitsförderung von vielen gesetzlichen Kassen als Marketinginstrument eingesetzt wurde, um Kunden attraktive Extraleistungen zu offerieren, waren die Kassen auch ohne wissenschaftliche Fundierung gerne bereit, alle möglichen Leistungen wie auch Tanz- und Skikurse zu finanzieren, um die Kunden – also die Versicherten – anzulocken und zu binden. Es lag auf der Hand, das allseits beliebte Yoga hiervon nicht auszunehmen. Die Kritik an dieser Zweckentfremdung der Prävention führte zu einer Abschaffung des § 20 SGB V in den Jahren 1997 – 2000. Mit der Wiedereinführung einer qualitätsgesicherten Prävention im Jahr 2000 wurden dann zwar allgemeine qualitative Standards für Präventionsangebote eingeführt, die jedoch im Bereich des Yoga bis heute als sehr lückenhaft und unvollständig anzusehen sind und nicht konsequent umgesetzt wurden.
Dem sogenannten „Hatha Yoga“ wird seitens der gesetzlichen Krankenkassen pauschal eine Wirksamkeit als palliative Entspannungsmethode gegen Stress zugeschrieben.
Klassisches Yoga selber beansprucht im Rahmen einer Art „Ordnungstherapie“ die Gesundheit im Rahmen eines ganzheitlichen Konzeptes auf vielen Ebenen äußerst wirksam zu fördern. Deshalb wird die Einordnung von Yoga als reine Entspannungsmethode dem umfassenden Anspruch des Yoga und der Vielfalt seiner Methoden und Wirkebenen tatsächlich nicht gerecht. Yoga reklamiert für sich selber, ein umfassendes Methodenkonzept für die Förderung und Erhaltung der Gesundheit auf vielen Gebieten zu besitzen. Ein durchschnittlicher Yogakurs legt den Focus nicht nur auf die Entspannung.
Die eingesetzten Methoden der Entspannung selbst differieren erheblich. Die Asana Praxis, die Körperübungen, dienen auch, aber nicht nur der Entspannung. Mindestens in gleicher Weise wird der Bewegungs- und Halteapparat angesprochen. Atemübungen, Reinigungsübungen zur Entschlackung, und Ernährungsempfehlungen gehören ebenso zum Repertoire wie Meditation. In manchen Kursen spielt die Entspannung oder Meditation aber auch gar keine besondere Rolle, da die sportliche Betätigung mit Hilfe der Asanas ganz im Vordergrund steht.
Recherchen zeigen erstaunlicherweise, das die Wirkung von „Hatha Yoga“ als Entspannungsmethode wissenschaftlich gar nicht untersucht ist. Bei der Behauptung, Yoga sei in jedem Fall entspannungswirksam, handelt es sich deshalb nur um eine wohlwollende Unterstellung, die bis heute den Beweis schuldig geblieben ist.
In verschiedenen Yogarichtungen spielt die Entspannung nahezu gar keine Rolle. Viele moderne Yogarichtungen beschränken sich auf Asanas, die reinen Körperübungen.
Es liegt ein gewaltiges Versäumnis der Fachverbände, in den vergangenen Jahrzehnten zur wissenschaftlichen Absicherung des Yoga und Klärung der Methoden und Prinzipien nahezu nichts beigetragen zu haben. Immer noch- oder wieder- herrscht hier in weiten Strecken ein sogenanntes „spirituelles“ oder mystisch verklärtes Bild des Yoga vor.
Zwar möchte man nach außen durchaus „säkular“ erscheinen – aber dahinter verbirgt sich häufig ein religiöser oder spiritueller missionarischer Hintergedanke, der einem aufgeklärten Ansatz des Yoga eher im Wege steht. Zudem sind alle Fachverbände im Wesentlichen mit den partikularen Interessen ihrer Mitglieder befasst.
Die Frage, die sich heute nach dieser Bestandsaufnahme stellt, ist, ob es in der Pauschalität überhaupt berechtigt ist, sogenanntes Hatha Yoga als Methode der Gesundheitsförderung oder speziell der Entspannung zu betrachten und diese Wirksamkeit als Entspannungsmethode unterschiedslos bei allen Yogastilen als heute gegeben zu betrachten. In jedem Fall sollten die Vorraussetzungen einer solchen Anerkennung klarer gefasst werden.
Hatha Yoga – auf den die Kassen als Entspannungsmethode anerkennen – ist der traditionelle Sammelbegriff für den eher körperorientierten Yoga. Tatsächlich ist es aber so, dass innerhalb des sogenannten Hatha Yoga heute sehr viele verschiedene Richtungen existieren, die sich in Zielen und Methodik teilweise vollkommen unterscheiden.
Es wird inzwischen von bis zu 40 Richtungen gesprochen, die sich in Ansatz und Methodik teilweise kaum noch ähneln. Zwischen „Bikram Yoga“ – einer eher martialischen Übungsfolge in 42 Grad heißen Räumen und „Yin Yoga“ mit sehr langem, bewegungslosen Verharren in einigen wenigen entspannenden Posen liegen konzeptionelle Welten. Während „Iyengar Yoga“ beispielsweise langes Verweilen in extremen Yoga Posen mit maximaler Anspannung und Dehnung empfiehlt, verzichtet der Viniyoga gleich ganz auf statisches Halten und propagiert eher sanfte und dynamische Bewegungsfolgen.
Hatha Yoga kann demzufolge heute nicht mehr als Sammelbegriff für eine einheitliche Übungsmethode verwendet werden. Es gibt, wie William S. Broad (Yoga and Science) festgestellt hat, „verschiedene Yogas“. Die Begriffsbestimmung ist so überdehnt, das nicht mehr gesagt werden kann, um was sich hierbei handelt, welche Übungen und welche Prinzipien zur Anwendung kommen.
Auch ein Rekurs auf den traditionellen Begriff des „Hatha Yoga“ hilft wenige. Dieser Begriff bezieht sich auf den tantrischen Yoga, wie er in den mittelalterlichen Texten – etwa der Hatha Yoga Pradipika und Gheranda Samhita – dargestellt ist. Zwar findet sich hier eine Quelle des modernen, seit etwa 100 Jahren entwickelten Yoga und der dort verwendeten Methoden, aber eine Eignung für Zwecke der modernen Gesundheitsförderung und der Entspannung kann in den magischen Konzepten zur „Erweckung der Kundalini“ niemand ernstlich sehen.
Als Konsequenz der Ausdifferenzierung der Yogakonzepte und Yogarichtungen muss deshalb gelten, dass
„wer heute vom Yoga spricht, erklären muss, was er damit meint“
Zugleich muss sich Yoga von den großsprecherischen Behauptungen befreien, ein Allheilmittel für alles und jedes zu sein. Yoga muss sich stärker an der Wissenschaft orientieren. Tripada geht davon aus, das der Vertrauensvorschuss, den Yoga auf Grund seines legendären Rufes in der Öffentlichkeit genießt, eines Tages aufgebraucht sein wird, wenn sein Potential nicht in eine klarere, besser reflektierte und in Methoden und Wirkungen überprüfbare Form gebracht wird.
Jedes dieser vielen „Yogas“ hat demzufolge heute die Pflicht, über die je eigenen Prinzipien, Methoden, Ziele und Grundsätze Rechenschaft abzulegen, wenn die spezifischen Ansätze in der Gesundheitsförderung berücksichtigt werden sollen. Aussagen über Wirkungsweisen von Yoga können nur getroffen werden, wenn die angewandte Methodik eindeutig und reproduzierbar spezifiziert wird und sodann entsprechenden wissenschaftlichen Wirksamkeitsstudien zugeführt wird.
Der kleinste gemeinsame Nenner des Begriffes „Yoga“ besteht heute nur noch darin, das es sich um – im weitesten Sinne – körperorientierte Methoden aus dem weiten Feld des traditionellen und modernen Yoga handelt. Der Begriff Hatha Yoga grenzt dies traditionell von klassischen Yogarichtungen wie beispielsweise Bhakti Yoga (religiöse Hingabe), Karma Yoga (selbstloses Handeln) und Jnana – Yoga (Meditation und Studium) ab, bei denen körperliche Übungen keine oder eine untergeordnete Rolle spielen. Der klassische, historische Hatha Yoga nimmt zwar nicht das Denken, Handeln oder Singen, sondern stärker den Körper zum Ausgangspunkt des Yoga, ist aber nicht weniger ein esoterisch – spiritueller oder religiöser Weg, der mit seiner säkularen Neufassung für Fitness und Gesundheit kaum etwas gemein hat.
Von einer pauschalen Eignung aller heutigen Richtungen und Spielarten des modernen und traditionellen Hatha Yoga für Zwecke der Gesundheitsförderung (des Bewegungs- und Halteapparates und der Entspannung) kann heute nicht mehr ausgegangen werden, auch nicht, wenn man, wie die gesetzlichen Krankenkassen eine berufsbegleitende Ausbildung von mindestens 2 Jahren und 500 Stunden zu Grunde legt.
Generell sind hier rein quantitative Rahmenrichtlinien nicht zielführend, wenn das gesamte Yogaverständnis etwa von extremen Übungen oder esoterisch- spirituellen Zielstellungen geprägt ist und nicht ein weltanschaulich neutrales Konzept mit Zielstellungen der Gesundheitsförderung verfolgt.
Entgegen den mystischen Verklärungen entspringen viele dieser Übungsformen nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen (Vgl.: Singleton, Mark – Origin of Yoga Postures, Oxford University Press 2010) auch nicht alleiner einer bisher behaupteten ungebrochenen jahrtausendealten Tradition, sondern es handelt sich um Neuerfindungen und Reformulierungen des Yoga im 20. Jahrhunderts, teilweise scheinbar auch mit Vermischungen mit westlicher Gymnastik.
Bei vielen extremen Übungen aus dem Formenkreis des Yoga muss festgestellt werden, dass sie in der Gesundheitsförderung überhaupt nicht eingesetzt werden können. Weder kann also bei vielen parareligiösen, hinduistischen und vedantischen Ausrichtungen des Yoga die weltanschauliche Neutralität garantiert werden, noch sind die verschiedenen Ansätze immer und per se auf das Ziel der Entspannung und des Stressabbaus oder der allgemeinen Gesundheit optimiert.
Oft gehen sie mit einer offenen oder verdeckten hinduistischen, weltanschaulichen Missionierung einher, die sich der Attraktivität der Yogaübungen für die psychosomatische Gesundheit und das Wohlbefinden nur bedient, um letztlich für die religiösen Anschauungen zu werben. Häufig findet man das Argumentationsmuster, das die an den gesundheitlich ausgerichteten Übungen interessierten Personen „noch nicht so weit“ seien, aber später zu den spirituellen Inhalten finden oder geführt werden könnten.
Von daher mögen diese Ansätze jedem in seiner Freizeit offen stehen…. eine Grundlage für die Finanzierung solcher Angebote im Rahmen der primären Prävention aus Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen ist nicht nach zu vollziehen.
Es wird von den Kassen und der „Zentralen Prüfstelle Prävention“ nicht geprüft, ob die jeweilige ausbildende Institution oder Ausbildungsschule einem gesundheitsfördernden und weltanschaulich neutralen Ansatz folgt. Übungskonzepte des Yoga, die einheitlich entwickelt, verbindlich dokumentiert und in Hinblick auf die Eignung in der Gesundheitsförderung evaluiert worden wären, liegen im Prinzip auch nicht vor.
Ebenso wenig werden in der Regel Absolventen von Yogalehrerausbildungen auf solche Konzepte geschult, wie dies der Leitfaden fordert. Wirkannahmen über Yoga sprechen in der Regel pauschal von Yoga im allgemeinen, ohne die jeweils verwendete Yoga Methode. das Übungssetting, die angesprochene Zielgruppe und die Ziele des Trainings zu spezifizieren.
Kein einziger Fachverband (mit Ausnahme der Tripada Akademie und dem Berufsverband der Tripada Yogalehrenden) hat bis heute überhaupt Konzepte für Yoga in der Gesundheitsförderung vorgelegt, wissenschaftlich evaluiert und schult seine Auszubildenden auf derartige Programme in einer Weise, das hieraus die Befähigung als Übungsleiter hervorgeht.
Eine in der Gesundheitsförderung angewendete standardisierte Methode aus dem Kontext des Yoga ist das „MBSR Training“ von Dr. Jon Kabat Zinn. Hier wurden für Menschen im klinischen Kontext einfache Asanas (Körperübungen), eine einfache grundlegende Entspannungsübung (Body Scan) und einfache Meditationen mit Hintergrundinformationen zum Thema Stress sowie ein Achtsamkeitstraining kombiniert angeboten. Die Methode ist nahezu vollständig aus dem Yoga entlehnt. MBSR firmiert aber nicht unter dem Namen Yoga. Es handelt sich um eine standardisierte Methode eines multimodalen Stressbewältigungstrainings, welches sich der Yoga Methoden bedient und seine Herkunft sprachlich verschleiert.
In ähnlicher Weise hat Dr. Herbert Benson (Mind- Body Institite der Harvard Medical School) eine universelle Methodik der Meditation als Methode der Mind- Body-Medizin entwickelt, die aus dem religiösen Kontext enthoben und auf die technischen Elemente reduziert wurde. Sie ist in der Lage, Stress abzubauen und die „Relaxation Response“ auszulösen.
Generell haben Konzepte aus dem Yoga Eingang in Prävention und Therapie gefunden, allerdings zumeist in einer „synthetisierten“ und „säkularisierten“ Form mit klarer Methodik wie bei MBSR und der Benson – Meditation. Eine ähnliche Geschichte weist auch das Autogene Training und die PMR auf, die in ihrer Entwicklung ebenfalls von asiatischen Methoden des Yoga und der Meditation inspiriert waren, sich aber stark um Abgrenzung von den „esoterischen“ und „religiösen“ Wurzeln bemühten.
Yoga selbst wird als Interventionsmethode der Gesundheitsförderung heute einer zentralen Forderung der Qualitätssicherung nicht gerecht, wie sie im Leitfaden selber als Bedingung formuliert sind.
Es liegen keinei standardisierte Kurskonzepte und Trainermanuale vor, die den Kriterien einer wissenschaftlichen Evaluation und Absicherung genügen könnten.
Die gegenwärtige Praxis läuft nämlich darauf hinaus, dass Yogalehrende in Eigenregie individuelle Kurskonzepte entwerfen und diese zur Zertifizierung einreichen. Diese Konzepte sind aber weder in ihrer Wirkung vorab wissenschaftlich untersucht noch unterliegen sie einer begleitenden wissenschaftlichen Evaluation. Die prüfenden Instanzen sind fachlich auch gar nicht in der Lage, die Qualität dieser Konzepte und ihre Wirksamkeit in der Praxis zu prüfen.
Tripada Yoga
Um hier eine Klarheit zu schaffen, legt Tripada Yoga auf der Grundlage und Weiterentwicklung des Yogaverständnisses von Dr. M. L. Gharote und des Kaivalyadhama Institutes in Lonavla die Übungsprinzipien, Übungsmethoden sowie die verwendeten Techniken, die angesprochenen Zielgruppen und Ziele eindeutig dar. Alle Tripada Yogalehrer werden hierauf geschult. Zudem stellt sich Tripada Yoga mit einer klaren und verbindlichen Methodik einer wissenschaftlichen Überprüfung und Evaluation. Nur auf der Basis einheitlicher Konzepte ist eine Vergleichbarkeit gegeben, sind Aussagen über Wirkungen möglich.
Tripada Yoga stellt sich als eigenständige Methode der Gesundheits-förderung vor und ist zugleich eine Plattform für die Modernisierung des Yoga
Die Grundsätze des Tripada Yoga) basieren auf dem Verständnis, wie sie von Dr. M.L. Gharote als Vertreter eines wissenschaftlich begründeten Yoga nahegelegt wurden.
In Übereinstimmung mit den Intentionen des Begründers, hatte das Kaivalyadhama Institut in Lonavla sich seit 1924 bis etwa 1950 der wissenschaftlichen Erforschung und Entmystifizierung des Yoga verschrieben. Einer der wichtigsten Leitsätze des Begründers G. Gune lautete, keinerlei Behauptungen über die Wirksamkeit von Yoga aufzustellen, die nicht wissenschaftlich begründet sind. Mit diesem Vorsatz ist Herr Gune weit von den ebenso großsprecherischen wie unbewiesenen Behauptungen über die phantastischen Effekte der Yogapraxis (vom Verschwinden grauer Haare und Falten, jedweder Gesundheitsstörung bis hin zu detaillierten Wirkangaben bei jeder einzelnen Yogahaltung) abgerückt.
Das Kaivalyadhama Institut war über 30 Jahre bis in die 50iger Jahre des 20. Jahrhunderts die führende Autorität in Indien im Bereich einer Säkularisierung, einer wissenschaftlichen Begründung und der Entwicklung praktikabler Yoga – Übungskonzepte für Prävention, Therapie und Pädagogik.. Mit dem Bedeutungsverlust dieser Einrichtung seit den 1950iger Jahren hat leider generell auch die Beziehung zwischen Yoga und Wissenschaft zunehmend an Bedeutung verloren. Gerade in den letzten 20 Jahren kam es indes zu einer massiven Remystifizierung des Yoga gerade durch sektenartige Erscheinungen. Die Bezugnahme auf Wissenschaft beschränkt sich zumeist darauf, oft fragwürdige kleinere Studien über die therapeutische Wirkung von oft nicht näher definierten Yogapraktiken als Beweise zu zitieren.
Für den Tripada Ansatz kommt es nicht auf eine Definition dessen an, wer näher an einer beliebigen historischen Wahrheit von Yoga sein soll, sondern es geht um die Definition und Spezifizierung der Ziele, der Übungen, der Prinzipien und der Methoden, die heute in der Gesundheitsförderung im Rahmen des Tripada Yoga oder eines anderen Yoga angewendet werden können.
Erst durch die Formulierung klarer Prinzipien und ihrer zielgruppenbezogenen Umsetzung in adäquaten Übungsprogrammen und Curricula, bezogen auf die Bedürfnisse der Menschen hier und heute, entsteht Transparenz und Vergleichbarkeit. Sie bilden den Boden für eine seriöse, valide und vertrauenswürdige wissenschaftliche Überprüfung der Wirksamkeit der Methoden des Tripada – Yoga oder anderer Yogaansätze in verschiedenen Feldern.
Denn zweifellos ist jede wissenschaftliche Untersuchung über Yoga nur gültig für die jeweilige angewendete Yoga – Methode, Übung oder Übungsfolge. Ohne Rechenschaft über die angewendeten Übungen und Prinzipien bleibt die Aussagekraft einer jeden Untersuchung beschränkt und ist nicht auf andere „Yogas“ zu verallgemeinern.
Ziele und Methoden des Tripada Yoga als Methode der Gesundheitsförderung leiten wir ab aus dem
- Übungsspektrum des traditionellen Yoga,
- dem mehr philosophischen und psychologischen Yoga Sutra Patanjalis
- den Texten und Konzepten des Hatha Yoga
- allen neueren Entwicklungen im Yoga des 20. und 21. Jahrhundert.
All diesen Quellen gegenüber bewahren wir eine kritische Distanz. Wir werten sie aus und versuchen, sie in eine moderne Sprache und Begrifflichkeit zu übersetzen und so zu eigenen Definitionen zu finden.
Zudem ist der Bezugspunkt des Tripada Yoga die moderne Wissenschaft. Neben Medizin und Psychologie finden wir als Bezugswissenschaften im engeren Sinne die Konzepte der Gesundheitsförderung, der Prävention, die Stresstheorien, die Salutogenese, die Psychoneuroimmunologie, die Mind- Body-Medizin sowie Kognitionswissenschaften, Lerntheorien und die Pädagogik sowie die Trainings- und Sportwissenschaften.
Auf Basis dieser Erkenntnisse und Konzepte werden die klassischen Vorschläge des Yoga in eine moderne Form überführt.
Leider müssen wir feststellen, das dem Yoga vor allem ein profunder Aberglauben zu Grunde liegt. Sicherlich wird dieser Aberglaube gestützt durch die positiven Übungserfahrungen, die Millionen Menschen mit Yoga machen.
Tatsache ist aber auch, das Yoga als wissenschaftlich begründete psychosomatische Übungsmethode heute kaum einen Boden hat. Die meisten Yogatraditionen begründen ihre Praktiken damit, das man das in dieser Tradition eben so macht. Es fehlt an jedweden Reflektionen des „Wie“ und „Warum“.
Statt dessen werden autoritäre Strukturen der unkritischen Guru- Gefolgschaft gepflegt, die diesen Mangel verdecken.
Diese Usancen sind „Yoga von Gestern“.
von Hans Deutzmann | Mai 3, 2015 | Asanas und Vinyasas
Prinzipien der Ausführung von Asanas im Tripada Yoga und ihre Herleitung aus der Yogatradition
Teil 1
Ein Beitrag von Hans Deutzmann
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Zur Ausführung der Asanas in verschiedenen Quellen
Die Frage, wie Asanas ausgeführt werden sollen, wird in verschiedenen Quellen der Yogatradition sehr unterschiedlich beantwortet. Hinweise finden sich unter anderem
-
im klassischen Yoga Patanjalis
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bei Dr. M. L. Gharote
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bei G. S. Mukerji und W. Spiegelhoff
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bei Dr. Dietrich Ebert
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bei B. K. S. Iyengar
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bei Boris Sacharow
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bei André van Lysebeth
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bei Indra Devi
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bei Hans Deutzmann
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in anderen Yogarichtungen
-
sowie im Tripada Yoga.
Im Folgenden wird zunächst die Darstellung im Patanjali-Yogasutra betrachtet.
Zur Ausführung der Asanas im Patanjali-Yogasutra
Bei Patanjali finden sich nur drei Sutras zum Thema Asana.
Sutra II,46
sthira-sukham-āsanam
Die Haltung soll stabil und angenehm sein.
Sutra II,47
prayatna-śaithilya-ananta-samāpattibhyām
Diese Sitzhaltung soll man in völliger Entspannung und in einem Zustand der Betrachtung des Unendlichen einnehmen.
Sutra II,48
tato dvandva-anabhighātaḥ
Daraus ergibt sich eine Unempfindlichkeit gegenüber den Gegensatzpaaren.
(Übersetzung nach B. Bäumer, Die Wurzeln des Yoga, O.W. Barth Verlag 1993, S. 121)
Die Beschreibung bezieht sich nach traditioneller Auffassung in erster Linie auf die meditative Sitzhaltung. In alten Schriften werden vor allem solche Positionen erwähnt. Körperpflegende Asanas im heutigen Sinne kommen dort nicht vor.
Eine vertiefende Erläuterung findet sich im historischen Kommentar von Vyasa. Demzufolge wird die meditative Haltung vollkommen, wenn jede Anstrengung bei der Ausführung schwindet (zit. nach Eliade, 1977, S. 61).
Der Grund hierfür liegt darin, dass in der Meditation der Körper keinerlei Störung für den Geist darstellen darf. So ist gewährleistet, dass der Geist ruhig wird und „reines Bewusstsein“ wahrgenommen werden kann. Der Körper selbst wird zunehmend nicht mehr gespürt, und der Geist wird unempfindlich gegenüber sensorischen Reizen. Der Körper wird eins mit dem Gefühl von Weite und Raum.
Die Interpretation bei Gharote und Gune
Dieses Prinzip wird nach der Interpretation von Dr. Gharote und G. Gune auf die Ausführung der körperpflegenden und entspannenden Asanas im Ganzen übertragen. So wurde und wird es im Kaivalyadhama-Institut gelehrt.
Für die historische Gültigkeit und Zulässigkeit einer solchen Übertragung als grundsätzliches Prinzip jeder Asana – und sogar jeder Yogapraxis – gibt es jedoch keine eindeutigen Belege.
Unterschiedliche Auffassungen im modernen Yoga
In anderen Yogarichtungen, etwa bei Krishnamacharya, Iyengar oder Sivananda, finden sich diese Ansätze nicht.
Geht es nach der genannten Definition um Schmerzvermeidung und sanftes Üben, wird dort zum Teil dem Schmerz als Lehrmeister das Wort geredet. Statt einer Anpassung der Übungen an individuelle Bedürfnisse finden sich oft eher feste Standards einheitlicher Übungsreihen, an die sich der Übende anzupassen hat.
Insofern zeigen die zentralen Quellen der globalen Renaissance des Yoga im Indien des 20. Jahrhunderts unmittelbar divergierende Ansätze, die zu sehr unterschiedlichen Ausgestaltungen des Yoga geführt haben.
Eine eindeutig historische Richtigkeit lässt sich hier nicht feststellen.
Die Perspektive des Tripada Yoga
Aus Sicht des <a href=“https://yoga-gesundheit.blog/category/tripada-methode“>Tripada Yoga</a> machen wir uns die Definitionen von Dr. Gharote und G. Gune zu eigen und entwickeln sie weiter.
Die Umsetzung dieser Grundprinzipien entspricht den Zielen des Yoga in der <a href=“https://yoga-gesundheit.blog/category/gesundheit-und-anwendung“>Gesundheitsförderung</a>.
Das Missachten dieser Prinzipien hingegen führt zu den heute bekannten Risiken des Yoga.
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