von Hans Deutzmann | März 9, 2015 | Tripada Methode
GKV-Spitzenverband
Abteilung Gesundheit
Reinhardtstraße 28
10117 Berlin
Dr. Volker Wanek, Mandy Handschuch,Karin Schreiner-Kürten,
Sehr geehrte Damen und Herren
mit großer Sorge haben wir von den Änderungen für die Zulassungsbedingungen von Yogalehrern im aktualisierten Leitfaden Prävention 2014 erfahren.
Nach den dort getroffenen Regelungen werden künftig auch Personen als Yogalehrer zugelassen, die keinen fachbezogenen Grundberuf aufweisen können.
Zugleich wird von Yogalehrern seit Januar 2014 bei der Zentralen Prüfstelle plötzlich verlangt, einen „expliziten Nachweis“ vorzulegen, das ihre Ausbildung den Rahmenrichtlinien von vier im Leitfaden namentlich benannten Verbänden entsprechen sollte. Eine Änderung dieser Regelung liegt nicht vor und dieses Verhalten war bisher nicht üblich.
(…)
Wie eine von uns aus diesem Anlass vorgenommene vergleichende Analyse zeigt, ist nur einer der im Leitfaden benannten 4 Verbände (…) einem säkularen und gesundheitswissenschaftlichen Ansatz verpflichtet (…)
Alle anderen der im Leitfaden benannten Verbände sind in mehr oder weniger hohem Maß entweder indischer Philosophie, indischen Gurus und teilweise extremster Esoterik, jedenfalls oft sogenannter „Spiritualität“ verpflichtet.
Mindestens 3 der bevorzugten Verbände stehen auch für in der Gesundheitsförderung unangemessene extremsportliche Yoga – Übungsstile. (…)
Wie kann hierauf als Ausbildungsmaßstab verwiesen werden?
Auf Grund welcher Kriterien wurden diese Verbände in den Leitfaden aufgenommen und erfahren eine bevorzugte Behandlung?
Es existieren von den benannten Verbänden (….) und den dort angebundenen Ausbildungsschulen und ihren jeweiligen bevorzugten „Yogarichtungen“ keine standardisierten Kurskonzepte, keine Trainermanuale und keine Schulungen von Yogalehrern auf diese Konzepte.
Eine wissenschaftliche Evaluation von Yogakursen in der Prävention findet bei diesen Yogastilen demzufolge auch nicht statt.
Wir lesen und vernehmen lautstarke Behauptungen über die angeblichen wundergleichen Wirkungen jedweden Yogas und Forderungen nach weiteren Anerkennungen, etwa im Bewegungsbereich. Konzepte hierfür oder Belege werden jedoch nicht vorgelegt.
Die Realität des stark kommerzialisierten boomenden Yogas sieht hingegen trübe aus. Allerorten ist die Ausbildungsqualität seit Jahren im freien Fall. Eine große Anzahl schlecht ausgebildeter Yogalehrer, nicht selten mit esoterischen Allmachtsphantasien hat den Markt überschwemmt. Berichte über Verletzungen häufen sich, während kritische Diskussionen intern wie öffentlich von den kommerziell interessierten Anbietern, Verbänden und Medien mit teils autoritären Strukturen und Abhängigkeitsverhältnissen nahezu vollständig unterdrückt werden. Fast täglich erreichen uns Berichte über Verletzungen durch Yoga und sektenartige Indoktrinationsversuche, während der Hype um die angeblich fantastischen Wirkungen immer neue Blüten treibt.
Wie konnte es zu den genannten Änderungen kommen?
(…)
Da für diese Ausnahme – Regelung keine fachliche Begründung existiert, widerspricht es dem Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes, wenn diese Öffnung nicht auch für andere Angebote wie Autogenes Training oder Pilates ebenfalls gelten würde.
Auch hier sind viele Anbieter am Markt, die keinen entsprechenden Grundberuf aufweisen und deshalb von den Kassen nicht mehr anerkannt werden. Dies ist jedoch, auch wenn dies manchmal ungerecht erscheint, im Ganzen gut und nicht schlecht und muss auch für Yoga weiter gelten.
Die Neuregelung lässt das Schlimmste befürchten: das die schlechte Qualität der Yogaangebote auf dem kommerziellen freien Markt nun in die von den Kassen finanzierte Gesundheitsförderung hineinschwappt. Nachweise über 200 Stunden Unterricht lassen sich leicht manipulieren. Kursmanuale und Kurskonzepte werden zuerst herum- und dann bei der ZPP eingereicht. Bis heute wird nicht konsequent verlangt, das die Yoga – Kursleiter auf evaluierte Programm mit wissenschaftlichem Wirkungsnachweis geschult werden und diese Kurse dann auch wirklich durchgeführt werden. In der Folge steht zu befürchten, das künftig jedwede Esoterik und ungeeignete Yogaprogramme von den Kassen bezahlt werden.
Die Tripada Akademie und der Tripada Yogalehrerverband unterstützen die Anforderungen des Leitfadens in seiner früheren Form zu 100%.
Wir haben eine im Jahr 2010 eine Fachorganisation für „Yoga in der Gesundheitsförderung“ auf Basis der im Leitfaden genannten Kriterien und aus fachlichen Kriterien entwickelt.
Dies geschah auch aus der Erkenntnis, das die meisten traditionellen Yogaverbände schon historisch einer engen Bindung an hinduistisches Gedankengut, philosophisch – spirituelle Konzepte von Karma, Wiedergeburt und Erleuchtung und dahinter stehende indische „Gurus“ verpflichtet sind und kaum bereit sind, sich einer modernen und wissenschaftlichen Betrachtung des Yoga und einer „Reduzierung“ auf Aspekte der Gesundheitsförderung einzulassen.
Im Gegenteil, wird in diesen Verbänden der gesundheitliche Nutzen und die gesundheitlichen Motive zum Besuch eines Yogakurses fast durchgängig als Einstiegsstufe betrachtet, der dann später eine Hinführung zu hinduistischer Religiosität nach sich zieht.
Damit bemühen wir uns, einen aufgeklärten, rationalen und wissenschaftlich begründeten Yoga in der Gesundheitsförderung zu etablieren, er sich von Esoterik, Hinduismus ebenso abgrenzt wie von den verbreiteten fast kindischen Heilserwartungen.
Dieses Yoga ist weltanschaulich neutral, benennt klare Ziele, Prinzipien und Methoden und entwickelt zielgruppenbezogene Kurskonzepte und führt sie einer Evaluation und einem Wirkungsnachweis zu. Das erwarten wir von jeder anderen Yogarichtung auch, wenn sie den Freizeitbereich verlassen und Eingang in die Gesundheitsförderung finden will. (…)
Damit grenzen wir uns notwendig auch von den gegenwärtigen Auswüchsen der Yogascene ab. Diese sind weithin geprägt von Kommerzialisierung, Übertreibung, Aberglauben, Mystizismus, Wissenschaftsfeindlichkeit, Sektierertum, sektenartigen Glaubensgemeinschaften, extremsportlichen Methoden mit hohen Verletzungsrisiken, autoritären Strukturen und oft auch mit Allmachtsphantasien versehenen Weltverbesserungsgedanken. Viele Personen aus diesem Umfeld bieten heute „Yogatherapie“ an, ohne medizinische Kenntnisse, ohne Heilberuf, aber überzeugt davon, das Yoga „alles heilen kann“. Gerade Menschen mit einem schwierigen sozialen und psychologischen Profil finden den Weg in die einschlägigen Angebote und etablieren sich als Yoga – „Heiler“. Nicht selten erlebt man bedenkliche Persönlichkeitsveränderungen, die mit dem „Yogaweg“ einhergehen.
Der vom Spitzenverband eingeschlagene Weg führt deshalb nach unserer Auffassung in die falsche Richtung.
Wir haben eindeutig die Erfahrung gemacht, das die Ausbildung von Personen mit einem gesundheitsbezogenen Grundberuf eine völlig andere Qualität auf der Anbieterseite mit sich bringt. In den Ausbildungen sind die Unterschiede teilweise dramatisch. Hier spielt schon der allgemeine Bildungsstand eine Rolle. Nicht ohne Grund wird etwa für Stressbewältigungskurse ein akademischer Abschluss verlangt. Yoga ist weitaus komplexer und die Gefahr eines „Abdriftens“ weitaus größer. Man kann auch annehmen, das Menschen mit einer einschlägigen Ausbildung und einem entsprechenden beruflichen Standing weniger anfällig sind für die esoterischen Auswüchse des Yoga.
Aus unserer Sicht sollten die Anforderungen an die Qualitätssicherung absolut nicht aufgeweicht, sondern deutlich verschärft werden. Nur so entsteht der Druck, der zu Veränderungen führt.
Yogaangebote in der Prävention sollten in der weiteren Zukunft u.E. nur noch in Form standardisierter und evaluierter Kurskonzepte mit klarem Wirkungsnachweis gefördert werden, wie dies der Leitfaden auch vorsieht. Da solche Konzepte außer bei uns kaum existieren, könnten hier Übergangsfristen geschaffen werden. Das Tripada Konzept basiert jedenfalls auf standardisierten zielgruppenbezogenen Kurskonzepten und Curricula, an denen wir intensiv arbeiten.
In Kürze legen wir unser erstes umfassendes Trainermanual vor und wünschen uns hierfür eine zentrale Anerkennung und Unterstützung bei der Evaluation.
Von der Praxis, einzelnen Kursleitern aufzuerlegen, irgendwelche Kurskonzepte zu „stricken“ und diese durch die ZPP anerkennen zu lassen, sollte nach einer Übergangszeit abgegangen werden. Diese Konzepte können keinen wissenschaftlichen Wirkungsnachweis erbringen.
Wir plädieren nach allem dringend
für eine Beibehaltung des dualen Ausbildungsprofils bei Yogalehrern in der Prävention
- für die Aufstellung klarer Kriterien und Rahmenrichtlinien für Ausbildungen zum Yogalehrer in der Gesundheitsförderung
- jedes Ausbildungsinstitut sollte künftig den Nachweis führen, diese Richtlinien einzuhalten. Eine pauschale „Bürgschaft“, etwa durch den BDY, ist abzulehnen.
- für den Nachweis einer weltanschaulich neutralen Ausrichtung der Ausbildung
- für den Ausschluss von religiösen Angeboten
- für den Ausschluss extremsportlicher Angebote
- für die Einführung standardisierter und evaluierter Yogaprogramme- und Kurse analog zu Kursen wie „Rauchfrei“ oder „Gelassen und sicher im Stress“.
- für die künftige Durchführung von Studien, die wissenschaftliche Wirkungsnachweise dieser Programme liefern
- für die zwingende Schulung von Yogalehrern auf diese Programme im Rahmen der Ausbildung oder nachgehend
Insbesondere empfehlen wir eine besondere Sorgfalt, um sicherzustellen, das fachliche Interessen nicht von lobbyistischem Einfluss überdeckt werden. Dies wäre für die gesamte Gesundheitsförderung fatal.
Wir machen auch darauf aufmerksam, das wir mit der bisherigen Beschränkung unserer Ausbildung auf Personen mit einem fachbezogenen, staatlich anerkannten Grundberuf wirtschaftliche Einschränkungen in Kauf genommen haben. Wir können dies möglicherweise unter den veränderten Umständen wegen des starken Wettbewerbs unter den nun veränderten Bedingungen leider nicht aufrechterhalten.
Unsere jahrelangen intensiven Bemühungen um eine hohe Qualität von Yoga in der Gesundheitsförderung würden einen deutlichen Rückschlag erleiden.
(…)
In jedem Fall beantragen wir, als Fachverband in das entsprechende Verzeichnis aufgenommen zu werden.
(..).
Mit freundlichen Grüßen
von Hans Deutzmann | März 4, 2015 | Tripada Methode
Buchvorstellung: The Science of Yoga
Was es verspricht – und was es kann
von Heike Friel, Tripada Yoga Lehrerin
The Science of Yoga – Was es verspricht – und was es kann
William J. Broad versucht mit diesem Buch wissenschaftlich aufzuzeigen, was Yoga tatsächlich erreichen kann, was Mythen und Fehlinformationen sind und wo Risiken und Gefahren liegen.
William J. Broad teilt sein Buch in 7 Kapitel ein:
1) Gesundheit
2) Fit und Vollkommen
3) Stimmungen
4) Das Verletzungsrisiko
5) Heilung
6) Göttlicher Sex
7) Muse
Er beginnt sein Buch mit einem Vorwort und schließt sein Buch mit einem Epilog und Nachwort.
Epilog
Im Epilog erzählt uns der Autor, warum er das Buch geschrieben hat.
Sein Wunsch ist es, Ordnung in das Thema „Yoga“ zu bringen und herauszufinden, was die Wissenschaft dazu sagt. Er versucht die Qualitativsten wissenschaftlichen Ergebnisse zusammenzutragen und die offenen Fragen über Yoga zu beantworten. „Gelegentlich berührt das Buch Themen östlicher Spiritualität – Meditation und Achtsamkeit, Befreiung und Erleuchtung, macht aber nicht den Versuch, ihnen auf den Grund zu gehen. Es konzentriert sich vielmehr konsequent auf die Frage, was die Wissenschaft uns über die Yogastellung sagt.“ (William J. Broad 2012 S.35)
Broad ist der Meinung, dass sich die Risiken und Vorteile als wesentlich größer heraus stellen, als er es vermutete. Yoga kann sowohl verstümmeln, als auch Leben retten (vgl. Benson S. 38).
Wie er sagt „ergibt Yoga nur Sinn, wenn man es auf kluge Weise anwendet, um sich selbst so wenig wie möglich zu gefährden.“
Er ist der Meinung, dass sich Yoga verändert hat, von einem obskuren Kult, tief getränkt von Magie und Erotik, hin zu Gesundheit und Fitness. „Die Wissenschaft des Yoga enthüllt nicht nur Geheimnisse. Sie trägt auch dazu bei, echte Mysterien aufzuklären“. (Broad 2012 S.40)
1) Gesundheit
1851 hat Paul, ein gebürtiger Bengale, der die soziale Leiter mittels einer guten Ausbildung erklommen hatte, als Erster entdeckt, das Yoga den Stoffwechsel verlangsamen konnte. Damit hatte er einen großen Durchbruch errungen.
1924 gründete Jagannath G. Grune südlich von Bombay einen Ashram, um umfangreiche Studien über Yoga durchzuführen. Im Mittelpunkt stand seine Bemühung, das Image von Yoga zu verbessern.
1926 berichtet er, „das(s) der Kopfstand und der Schulterstand förderlich für die Durchblutung seien, den Blutdruck jedoch nicht erhöhten, was die Stellung als ein sanftes Mittel körperlicher Erneuerung erscheinen lässt“ (Broad 2012 S.342).
Er wiederlegte auch die Auffassung, das intensive Yoga – Atmung die Sauerstoffaufnahmen verbessern würde.“ Er stellt fest, dass schnelles Atmen wenig an der Sauerstoffmenge änderte, die der Blutkreislauf aufnahm und kam zu dem Ergebnis, dass die stärkste Wirkung solcher rigorosen Anstrengungen tatsächlich im Herauspusten von Kohlendioxidwolken bestand (vgl. Broad 2012 S. 62).
Wie sich herausstellt, ist diese Erkenntnis wissenschaftlich korrekt.
Gune weist darauf hin, dass bestimmte Stellungen heilsam für bestimmte Leiden und gut für die Gesundheit sind, und war damit ein Wegbereiter für einen Ansatz, den viele Yogis im Laufe der Jahrzehnte übernehmen sollen (vgl. Benson S. 62). Eine weitere Veränderung ist die Aufnahme und das Unterrichten von Frauen im Ashram. Grune hat einen weitreichenden Einfluss auf die Praxis des modernen Yoga.
1947 gewinnt Indien seine Unabhängigkeit und gleichzeitig machte Hatha-Yoga den Sprung auf die Weltbühne. „Die Exporte begannen mit einer begabten Schülerin, die bei Gune und Krishnamacharya studiert hatten. Ebenso wie Iyengar war die Novizin aus gesundheitlichen Gründen zum Yoga gekommen und zu einer leidenschaftlichen Verfechterin von dessen regenerativer Kraft geworden. Die temperamentvolle Frau trug dazu bei, Grunes Beobachtung über„ die spezielle Eignung für Frauen“ in eine Vielzahl von weiblichen Anhängerinnen zu verwandeln“ (Broad 2012 S. 67).
Basu Kumar Bagchi (1875-1977) erforschte das greifbarste Wunder: Das Anhalten des Herzschlags.
Er widerlegt diese Behauptung, doch fand er in jahrelangen Studien heraus, dass das Yoga beträchtlich zur Gesundheit von Herz und Kreislauf beiträgt.
„Klinische Studien haben ergeben, dass Patienten, die Yoga ausüben, weniger Krankenhausaufenthalte haben, weniger Medikamente benötigen und seltener von ernsthaften Infarktereignisse – angefangen bei Herzattacken bis hin zum tödlichen Herzversagen – getroffen werden.
Forscher der University of Virginia werteten 70 Studien aus und kamen 2005 zu dem Schluss, dass Yoga ein aussichtsreicher Ansatz für eine „sichere und kosteneffiziente Intervention“ zur Verbesserung der Herz-Kreislauf-Gesundheit sei (Broad 2012 S. 77).
Die Wissenschaft stellt ebenso fest, dass Yoga tatsächlich dem Verschleiß der zwischen Wirbeln liegenden Bandscheiben entgegenwirken kann, gesunkene Werte beim Cholesterin und bei Indikatoren von emotionalem Stress wie beunruhigenden Gedanken. Was auch von großer Bedeutung war, war die Erkenntnis, dass das Telomerase-Niveau, zuständig für die Langlebigkeit der Zellen, um 30 Prozent stieg.
2) Fit und vollkommen
Das moderne Yoga, ob zufällig oder auch geplant, hat viel von seinem kontemplativen Charakter verloren und geht eher in Richtung Fitness. In den 1920ern, hatte ein englischer Physiologe Archibald Hill in seiner Forschung ein großes Interesse an Sport und Fitness.
Er beschäftigt sich unter anderem damit, was die maximale Sauerstoffaufnahme nach steigender Ausbelastung des Körpers bewirkt. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass dies von einem Hauptfaktor abhängig ist, nämlich der Größe des individuellen Herzens und dessen Fähigkeit das Blut durch die Lunge und die Gefäße zu den Muskeln zu pumpen.
Wie sich zeigte, war der Herz-Output von Spitzensportlern etwa zweimal so groß, wie bei untrainierten Personen. So konnte jeder in den Genuss der positiven Wirkung kommen, der ein rigoroses Training aufnahm.
Nun war die interessante Frage, wie es in dieser Frage mit dem Yoga stand. Die Wissenschaftler stellen fest, das Yogis schlechte Ergebnisse im Hinblick auf die Stärkung/Vergrößerung des Herzmuskels haben.
Allerdings berichten die Testpersonen, die über 4 Monate täglich Yoga praktizierten von Verbesserungen ihres Allgemeinzustandes in Bezug auf Schlaf, Energie, Gesundheit, Ausdauer und Beweglichkeit. Ebenso bemerken sie eine positive Veränderung in sozialer Hinsicht, einschließlich eines besseren Sexuallebens. Sie sind besserer Stimmung und zufriedener mit ihrem Leben.
Durch neue Formen von Yoga, die mehr Gewicht auf dynamische Stellungen und Stilarten legen, kommt mehr Bewegung und körperliche Aktivität ins Yoga, was die aerobe Herausforderung erhöht. Wenn man die Abfolgen schnell wiederholt, z. B. den Sonnengruß, bekommt man auch das Herz in Schwung. Dadurch gewinnt das Yoga Elemente eines kardiovaskulären Work-Outs.
„Trotz des zusätzlichen Peps kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die Yogasitzungen den aeroben Mindestanforderungen nicht entsprachen. (…) Der einzige Schimmer kardiovaskulärer Hoffnung betraf – wieder einmal – den Sonnengruß.“
Zusammengefasst kann man sagen, Studien haben ergeben, dass Yoga positive Effekte in Bezug auf Balance , Erschöpfung, Angst, Stress, Stimmung, Schlaf, Cholesterin und auf die Lebensqualität von Yogis hat, aber nicht auf die körperliche Fitness (vgl. Broad S.120).
3) Stimmungen
„In Harvard warf (…) William James einen wohlwollenden Blick auf Yoga als Mittel mentaler Regeneration. Der berühmte Psychologe und Mediziner konzentrierte sich auf eine der elementarsten Yogaübungen – die einfache, aber systematische Entspannung der Muskeln.
Er untersuchte das Asana Shavasana und erklärte diese Art von Loslassen als „Regeneration durch Entspannung“. Diese Übung soll den Geist revitalisieren.
Die Entspannungsthematik interessiert auch Edmund Jacobson und er führt einige experimentelle Studien durch. Er nimmt an, dass tiefe Entspannung die mentale Aktivität absinken lässt.
Nun wird von Wissenschaftlern die Atmung unter die Lupe genommen.
Schnelles Atmen, die auch bei Yoga Atemübungen vorkommen, senken die Kohlendioxidvorräte des Körpers.
Der gebräuchliche Name für schnelles Atmen ist Hyperventilation. Sie birgt die allgemeine Gefahr, in Ohnmacht zu fallen. Es kann auch zu Schwindel, Kopfschmerz, Benommenheit, schleppender Sprache, Taubheit und Kribbeln in Lippen, Händen und Füßen kommen. Der Abfall des Kohlendioxidniveaus beeinflusst die Stimmung in vielerlei Hinsicht. Dazu gehört die respiratorische Alkalose. Sie erhöht die Erregbarkeit der Nerven und Muskeln so stark, dass es zu vielen Kurzschlüssen kommt, wie ein Kribbeln in den Händen und/oder Spasmen in den Muskeln. Dadurch, dass bei schnellem Atmen das Kohlendioxidniveau fällt, ziehen sich auch die Hirngefäße zusammen, dies wiederum raubt dem Gehirn Sauerstoff. In extremen Fällen kann es so zu Ohnmacht führen.
Die Auswirkung auf die Stimmung und Atmungsphysiologie sind völlig anders, wenn die Yoga-Atmung eher langsam, als schnell ist. Es bewirkt eine Erweiterung der Hirngefäße. Das Gehirn erhält mehr Sauerstoff. Langsames Atmen führt zu einer ruhigen Aufmerksamkeit und reinen Bewusstheit. Viele Yoga-Elemente verstärken das langsame Atmen und schränken das Ausatmen von Kohlendioxid ein, dazu gehören die Wiederholungen von Mantras und Gesängen.
Basu Kumar Bagchi, ein Wissenschaftler an der University of Michigan berichtet, dass Yogis eine „extreme Verlangsamung“ von Atmung und Herzschlag erreichen können.“ Er folgert, dass Yoga im Allgemeinen eine „tiefe Entspannung des autonomen Nervensystems herbeiführt“ (Broad 2012 S. 142).
„Die Forschungsarbeiten zeigten, dass Yogis eine besondere Begabung für die Anwendung der Bremse hatten. Ihre geschickte Verlangsamung des Stoffwechsels und damit verbundener Funktionen waren besonders eindrucksvoll, weil es eine starke evolutionäre Neigung überwand. Die Überlebensanforderungen bedeuten, dass der Körper, wenn er sich selber überlassen wird, immer das Gaspedal bevorzugt. Schließlich ist das sympathische Nervensystem im Wesentlichen ein Mittel der Notfallreaktion und leicht erregbar – es hält den Körper Kampf oder fluchtbereit und überschwemmt ihn mit Adrenalin“ (Broad 2012 S. 143).
Viele Teile des Körpers sind unter der Kontrolle des autonomen Nervensystems. Die meisten Menschen haben keine bewusste Kontrolle über solche automatischen Reaktionen. Mel Robin ist der Ansicht, das wir Menschen einen Schlüssel zur verborgenen Welt der autonomen Kontrolle haben, nämlich den Muskeltonus, Wenn man Muskelarbeit betreibt, erregt man das sympathische Nervensystem, und die Atmungsrate. Robins Aktivitätsregel deutete darauf hin: „das(s) ein disziplinierter Mensch dutzende der wichtigsten und unauffälligsten Körperfunktionen beeinflussen konnte. Seine Regel sprach außerdem dafür, dass verschiedene Hatha – Stilarten sehr unterschiedliche Effekte auf das autonome System hatten“. Fließende, schnelle Bewegungen z. B. der Sonnengruß (viel Muskelkraft) eher das sympathische System, statische Haltungen eher den Parasympathikus.
Mel Robin war der Ansicht, dass zu einer guten Yogastunde Stellungen gehörten, die sowohl das Gaspedal, als auch die Bremse aktiviert, sodass das autonome System ein gründliches Training bekommt.
Der Mediziner Herbert Benson war bestrebt, die westliche Anspannung mit der östlichen Gelassenheit zu lindern. Er untersuchte die Auswirkungen von Meditation, Yoga und anderen beruhigenden Praktiken. Er stellte fest, das einfache Techniken der Entspannung tiefgreifende Wirkungen auf den Herzschlag, die Atmungsrate, den Sauerstoffverbrauch und das Absenken des Blutdrucks hatten. Er nannte die Entspannungsreaktion, einen herbeigeführten physiologischen Ruhezustand. Benson bezeichnete seine Erkenntnis als Relaxation Response (Gesund im Stress).
Wenn Yoga die Gelassenheit fördert und die Stimmung hebt, wie wirkt sich Yoga dann auch auf Depressionen aus? Viele Berichte sagen, dass bei Depressionen der Neurotransmitter GABA niedrig ist. Wissenschaftler stellten fest, dass der GABA- Spiegel bei Yoga- Praktikern, die regelmäßig Yoga praktizieren, anstieg. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass Yoga ein hervorragender Stimmungsaufheller ist und ein vielversprechender Ansatz sein kann für die Behandlung von Angst und Depressionen.
4) Das Verletzungsrisiko
Verletzungen wurden im Yoga verschwiegen, auch von den Gurus. Aber an die Stelle des langen Schweigens ist nun die wissenschaftliche Studie getreten, die neue Strategien für die Verletzungsprävention fordert. Die Verletzungsprobleme reichten von leichten Schäden, bis zu dauerhaften Behinderungen. Eine kleine Epidemie von Schlaganfällen führte zu einer Diagnosestellung, die als Beauty – Salon- Syndrom bekannt wurde. Der Neurophysiologe Russel beschäftigte sich mit diesem Verletzungsrisiko und hatte sich auf die Frage spezialisiert, wie die Beugung des Halses den Blutfluss von Herz zu Gehirn beeinträchtigen kann. Aus Jahrzehnten klinischer Praxis und Laborforschungen wusste Rusell, dass extreme Bewegungen des Kopfes und Nackens die rechte und linke Wirbelarterie verletzen und Gerinnsel, Schwellungen, Verengungen und verheerende Schäden flussabwärts im Gehirn verursachen konnten (z. B. Schulterstand, Kobra).
2002 zeigten die Erhebungen, dass die Anzahl, der mit Yoga zusammenhängenden Krankenhausaufenthalte, in die Höhe schnellte. Die meisten Verletzungen treten im Bereich der Knochen, Bänder, Sehnen und Gelenke auf. Die Neugestaltung der Stellungen durch die Yogagemeinschaft reicht von kleinen Anpassungen, bis zu umfassenden Veränderungen. Heute vermeidet eine Reihe von Schulen die Unterrichtung der Kopfstände und auch des Lotussitz. Das Knie ist ein Scharniergelenk, das sich nur beugen und strecken kann, aber nicht drehen. 68% der Befragten einer Studie wählen den Grund für die vielen Verletzungen in einer unzureichenden Lehrerausbildung. Die Lehrerausbildung hat enorme Qualitätsunterschiede, von schlampig bis peinlich genau.
5) Heilung
Fishmann, der bei Iyengar gelernt hat und selbst Medizin, Mathematik, Logik und Philosophie studiert hat, versucht die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Westens mit der intuitiven Kreativität von Iyengar zu verbinden. Dadurch entstand ein ganz neuer Weg, um zu Heilen. Er stürzt sich in die Rehabilitationsmedizin. Sein Buch „Relief in the Stretch“ beschrieb: „ein verborgenes Zusammenspiel zwischen zwei Arten von Sinnesorganen, die in den Bändern und Muskeln des Körpers eingewoben sind. Bei Streckung eines Muskels, schrieb er, senden die beiden Systeme widersprüchliche Signale aus.
Die Kontraktion sei stärker als die Entspannung, deshalb bleibe der Muskel angespannt. Doch bei fortgesetzter Streckung werde diese Signal von allein schwächer und der Entspannungsimpuls gewinne die Oberhand.
Der Übergang erfordere Zeit, schrieb Fishman. Er setze ein, wenn die Streckung fünfzehn bis dreißig Sekunden anhalte, und das Entspannungssignal werde in weniger als 2 Minuten dominant.“ (Broad 2012 S.207).
„Yoga als Medizin repräsentiert die nächste Yoga – Welle“. (…). In den nächsten Jahren werden wir erleben, dass wesentlich mehr Yoga in Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge angeboten wird und Ärzte häufiger Yoga verschreiben werden. Vielleicht. Doch im Moment ist die Yoga- Therapie völlig ungeregelt und von daher unterliegt die Qualität der Behandlung dem Zufallsprinzip.“ (Broad 2012 S. 227).
Nach Fishman aber hat die Wissenschaft heute Mittel um festzustellen, was in der Yogatherapie wirklich funktioniert und warum es funktioniert.
6) Göttlicher Sex
In diesem Kapitel geht es darum, ob regelmäßiges durchgeführtes Yoga, das Sexualleben verbessern kann. Praktizierende, sowohl Frauen als auch Männer sagen, sie würden eine Steigerung der Erregung, der Befriedigung und der gefühlsmäßigen Nähe erleben. Neue Studien zeigten, dass Yoga zur Ausschüttung von Sexualhormonen und zum Anstieg der Hirnaktivität führen kann. „Bildgebende Verfahren deuteten darauf hin, dass fortgeschrittene Yogis, die Augen schließen und ihr Gehirn in Ekstasezustände versetzen können, die von jenen des sexuellen Höhepunks nicht zu unterscheiden sind.“
1978 verfasste Udupa in seinem Buch: „Stress and the Management by Yoga – eine Studie“, in der er beschrieb, das Yoga zu einer erheblichen Verbesserung der endokrinen Funktion des Hodens beträgt. „Yoga als Sport betrieben besitzt offenbar die besondere Fähigkeit, den Testosteronspiegel im Blut zu steigern.“
7) Muse
In diesem Abschnitt geht es darum, ob Yoga zur Verbesserung der künstlerischen Leistung beitragen kann. Die Antwort darauf ist: JA, denn Yoga hilft den kreativen Prozess zu vereinfachen und für sich zu gestalten. „Die inspirierende Kraft des Yoga scheint, zumindest teilweise, auf etwas so Unkomplizierten zu beruhen wie dem Nachlassen psychischer Anspannung und einem Zur-Ruhe-Kommen des Geistes.“ (Broad 2012 S. 290). Wissenschaftler fanden heraus, das Yoga wirkt, weil sie unter anderem das Gleichgewicht zwischen den Gehirnhälften in Richtung einer stärker künstlerischen Einstellung verschiebt. Taylar stellt den ersten Schritt der Verlagerung nach rechts als Bereitschaft dar, im Augenblick zu leben, im Hier und Jetzt.“ (Broad 2012 S.297).
Ebenso hat die Wissenschaft einen biochemischen Faktor entdeckt, der das „Zur-Ruhe-Kommen“ fördert. „Es handelt sich dabei um GABA, den Neurotransmitter, den wir im Kapitel über Stimmungen kennengelernt haben.“ Er hat eine beruhigende Wirkung.
Es gibt eine Beziehung zwischen Yoga und Kreativität doch sind die Befunde relativ bescheiden. Themen wie Fitness, Gesundheit, Sicherheit haben mehr Aufmerksamkeit erhalten.
Epilog
Broad beschreibt, dass sich das Yoga im ausgehenden 20. Jahrhundert in verschiedene Marken aufgesplittert hat und dass es nun die Frage ist, in welche Richtung es sich entwickelt. Dabei beschreibt er zwei Möglichkeiten: Entweder leistet Yoga nur einen kleinen Betrag zur globalen Gesundheitsfürsorge und die Öffentlichkeit betrachtet das Yoga als Kult und/oder die Wissenschaft von Yoga gehört zum Standardangebot, z. B. von Universitäten. Yogakurse werden von anerkannten Lehrern durchgeführt, deren Ausbildung streng geregelt ist. Broad meint, dass Yoga erwachsen werden kann, wenn es sich stärker an der Wissenschaft ausrichtet und dass es den Prozess, den schon Grune, Iyengar und die anderen Pioniere angestoßen haben, beschleunigt. Er ist der Meinung, dass Yoga, wenn es eine neue Art der Reife erreicht zu einer positiven Kraft in der globalen Krise der Gesundheitsfürsorge werden kann. Broad sieht die größte Hoffnung darin, das es noch mehr wissenschaftliche Forschung bezogen auf Yoga geben wird und dass sich noch mehr kluge Köpfe mit dem Thema beschäftigen werden.
„Ein weiteres ermutigendes Zeichen ist, dass staatliche Stellen in den USA und auch in anderen Ländern angefangen haben, die Wissenschaft des Yoga finanziell zu unterstützen.“ (Broad 2012 S. 317). „Nach Broad scheint Yoga sehr vielversprechend, wenn es darum geht, nicht nur unsere Lebenserwartung, sondern auch unsere Gesundheitserwartung zu erhöhen.“
Heike Friel, Tripada Yogalehrerin